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Geister

 

 

 

 

 

Laura 

 

 

Die Geister erwachen zumeist

wenn keiner sie ruft

und niemand ein Lächeln schenkt

Besonders im Frühjahr

laden sie ein

mit fortzufliegen

Sie schmeicheln und locken

mit sanften Tönen

versprechen

was kein Mensch jemals versprach

Zaudernd stehst du neben dir

Ergreifst endlich Hände

die gierig umschlingen

und fort geht die Reise

in ferne Länder

zu Wesen die hier

vergeblich du suchst

Singend fällst du in Schatten

Das Ende der Fahrt

führt in dunkle Gemächer

und tollkühn jagen die Geister

willige Beute

C. P.

 

 

Ausstellungen :

 

Werkstatt-Galerie

Cafe-Bar Scenarío

Kulturbahnhof Kassel

Kunstraum Delphi

Rathausgalerie Vellmar 

Galerie von Christa Purschke

Plansecur  Stiftung,  Kassel- Bad  Wilhelmshöhe

Atelier Jöhnk

Hotel Steubenhof Mannheim

Rathaus Limburgerhof

Erlöserkirche in Kassel-Harleshausen

Kunstprivat:

Tage der Unternehmenskunstsammlungen in Hessen

bei Plansecur, Kassel-Bad Wilhelmshöhe

Berufsakademie Mannheim 

 

 

 

Einführungsrede von Herrn Dr. Orpel, Mannheim, zur Ausstellung "Verkündigung"  mit Bildern nach biblischen Texten und Miniaturen aus Blattgold und Blattsilber von Christa Purschke in der Firma Plansecur am  28. November 2008.

 

Bei meinem ersten Besuch im Atelier von Christa Purschke waren es vor allem die Islandbilder, die mich besonders berührten: die baumlose und einsame Weite, in der sich der Mensch verliert. Für diese seelisch erlebbare Ursituation hat Christa Purschke einen adäquaten bildnerischen Ausdruck gefunden. Offensichtlich ist es hier kein Malen im eigentlichen Sinn, das sich in ihren Bildern offenbart. Sie erschließt sich jenen nördlichen Weiten auf eine zeichnerische Art und Weise. In raschen, geradezu flüchtigen Pinselstrichen notieren sie die Situation der Begegnung mit jener faszinierend gigantischen und doch gleichzeitig unheimlichen Natur im Lockbuch des Lebens, bevor der Augenblick im Zeitstrom zerrinnt. Dieser konzentrierte Einsatz von Farben und Formen, wie er für den Island-Zyklus so charakteristisch ist, wirkt stilbildend auf das gesamte künstlerische Schaffen von Christa Purschke. Es ist hier das Wenige, das Fragment, welches zu einer phantastischen Komplexität führt, wie sie durch das Hinzutreten der Phantasie des Betrachters zu Stande gebracht wird.

Es ist jene grundlegende Erfahrung mit den Grenzen der möglichen Existenz und deren Darstellbarkeit, um die es der Künstlerin geht. Wir erleben sie hier in der Ausstellung auch in den sakral zu nennenden Bildmotiven, in denen die Künstlerin bewusst Bezug auf die Ikonographie des alten und des neuen Testaments nimmt. Auch hier genügen wenige Fragmente oder programmatische Zeichen wie das Kreuz, um im Raum eine Atmosphäre entstehen zu lassen, die spirituelle Grunderlebnisse evoziert. Bilder sind nur zu einem Teil das, was der Maler mit seiner Kunst bezweckt. Zum anderen Teil sind sie das, was der Betrachter in sie an Gedanken,  Gefühlen und gelebtem Leben hineinlegt. Mit der Autonomie des Bildwerkes dem Betrachter gegenüber hat ein Künstler, der so intensiv seine Kunst betreibt, wie Christa Purschke es tut, seine Erfahrung gemacht. Diese Erfahrung drückt sich bei ihr in der Kraft der Reduktion aus, die wir in der  Konzentration auf das wirklich Wesentliche spüren, welche Christa Purschkes  Arbeiten ihre besondere Ausdruckskraft verleiht. Die Kunst der Malerei besteht eben nicht nur im Malen selbst, sondern auch in dem Nichtmalen. In diesem Zusammenspiel entsteht erst das Bild als ein Raum, der letztendlich auch dem Künstler einen neuen Erfahrungsraum bietet und in diesem Raum bewegen wir uns heute in der Ausstellung.

 

Christa Purschkes Malerei kreist um das Thema Fragment  und Symbol. Damit bewegt sie sich in einem quasi archäologischen Bereich, wobei hier nicht in der Erde gegraben wird, um Artefakte untergegangener Kulturen hervorzuholen, sondern hier geht es um verschüttete Schichten des eigenen Selbst, in denen die Ursymbolik noch ein gesichertes Dasein hat, die Ursymbolik, die im Kreuz, das ja viel älter als die christliche Religion ist und im Engelsflügel, ein zeichenhaftes Pendant findet. Die Kreuzform entsteht dabei nicht zufällig, sondern verweist auf dem Kontext, in dem die gesamte abendländische Kunst zu sehen und zu deuten ist.

Nach einer langen Phase des Experimentierens hat Christa Purschke zu einer Bildsprache gefunden, welche die Aufmerksamkeit des Betrachters auf wenige Akzente der Darstellung lenkt.  Momente, die den  Gesamtzusammenhang gewissermaßen symbolhaft offenbaren. Im Island Zyklus geschieht dies durch den Kontrast zwischen der Leere des weißen Blattes und den wie blauschimmerndes Licht wirkenden Farbakzenten, die durch den Duktus gesetzt sind. Auf eine andere, noch anschaulichere Art und Weise erfolgt dieser Verdichtungsprozess in den mit Blattgold unterlegten Bildern, von denen sie hier in der Ausstellung eine exemplarische Reihe sehen.

 

Das Blattgold steht durch seine  Beschaffenheit in einem sehr engen Bezug zur Liturgie. Lange vor dem Entstehen der christlichen Religion und auch außerhalb des christlichen Kulturkreises, zum Beispiel in Lateinamerika und in Ägypten, war das hauchdünn verarbeitetete Blattgold im religiösen Zusammenhang von zentraler Bedeutung. Aber von seiner Beschaffenheit her stellt es bei der Verarbeitung hohe Ansprüche an den Künstler.  Die künstlerische Verarbeitung ist nicht leicht und es bedarf nicht nur der Fingerfertigkeit, sondern auch der besonderen handwerklichen Ausbildung, die Christa Purschke in Kursen absolviert hat. Bei der Art und Weise wie die Künstlerin das Material verarbeitet, wird offensichtlich, wie fern ihre Intention dem Kunsthandwerk gegenüber ist. Ihr geht es nicht  um die Schönheit des Scheins. Das Blattgold hat hier eine eigenständige Bedeutung. Es steht bei ihr in einer engen Beziehung zur Gesamtaussage des Bildes.

Christa Purschke geht es vor allem  darum, das Material zum Sprechen zu bringen. Bei den eingangs erwähnten Arbeiten ist es der Pinselduktus im Zusammenwirken mit dem Papier aus dessen Wechselwirkung der Gesamteindruck entsteht. Bei den Blattgoldarbeiten kommen noch weitere Aspekte zum Tragen. So fällt bei den sehr fein austarierten Kompositionen der Künstlerin die Feinabstimmung auf. Beim Vergolden kommt es nicht allein auf das Fingerspitzengefühl an, sondern auf spezielle Fertigkeiten, die nicht einfach zu erlernen sind. Nur unter diesen Voraussetzungen ist es möglich, ein solch tiefes, kontemplatives Gefühl, das gerade aufgrund der Sparsamkeit des Gestus sehr authentisch wirkt, entstehen zu lassen.  Das Blattgold erscheint hier nicht zufällig, sondern über die ästhetische Funktion hinaus in seiner magischen, alchimistischen Bedeutung. Gold heilt, spendet Kraft, ist ein Heilmittel gegen die Depression.

Gerade in ihren aktuellen Zyklen bedient sich die Künstlerin einer Symbolsprache, bei der dieser Materialwirkung die Eigenschaft des Bedeutungsträgers zukommt.  Dabei geht es ihr jedoch weniger um die christliche Ikonographie als solche, sondern vielmehr um die magische Kraft sprachlicher und bildnerischer Zeichen.  Deutlich wird diese Intention durch ihre Auseinandersetzung mit biblischen Textstellen, wie dies in der heutigen Ausstellung geschieht.  Das Buch Hiob gehört zu den grundlegenden Texten des Alten Testamentes und es ist sicher kein Zufall, dass Christa Purschke in verschiedenen Titeln auf jenen Schlüsseltext im Alten Testament verweist, welcher das Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer in einem so bizarren Licht erscheinen lässt.

 

Christa Purschke ist in unterschiedlichen Techniken zu Hause, die sie wohlüberlegt bei den jeweiligen Zyklen zum Einsatz bringt. Ihre Zyklen waren in Galerien in- und außerhalb der Region Kassel zu sehen. In ihrer Atelier-Galerie Kaleidoskop kann sich der Interessierte ständig über neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Kunst informieren. Neben der Malerei ist es die Lyrik, die ein zentrales Feld im Leben der Künstlerin bildet. Ihre Verse haben eine Aussagekraft, die sehr eng mit ihrem bildnerischen Schaffen korrespondiert.

 

Dr. Helmut Orpel, Mannheim


 

 

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